stromverbrauchenausogut nachvollziehen, warum Gerätehersteller sie
lieben:
- Spottbillig
- kein Ärger mit VDE/UL/..-Vorschriften
- Kein Platz/Aufwand für Isolation im Gerät
- Kein Entwicklungsaufwand bei kleinen und mittleren Serien
- Kein Problem mit verschiedenen mechanischen, elektrischen und
rechtlichen Vorgaben in unterschiedlichen Ländern
Nun haben die EU und viele andere Länder mit der Unterzeichnung des
Kioto-Protokolls die Verpflichtung auf sich genommen, den
Stromverbrauch zu reduzieren.
Ich denke, sowohl dem Klima wie auch der Industrie und den
Verbrauchern könnte hier mit etwas Bürokratie geholfen werden.
Warum definiert man nicht einen mechanischen und elektrischen
Standard als VDE/IEC-Norm für netzgetrennte Versorgungsmodule, die
man in Endgeräte integrieren kann, indem man sie etwa auf der
Unterseite einklickt.
Man könnte verschiedene Leistungsklassen definieren:
- 1W, 1,5W, 2W, 3W, 5W, 7W, 10W
und jeweils wenigen verschiedenen Formfaktoren (quadratisch,
rechteckig, superflach).
Alle diese Geräte würden durch einen kleinen Kaltgerätestecker, wie
man ihn vom Rasierapparaten her kennt, ans Stromnetz angeschlossen
werden.
Und jetzt kommt der Clou:
- Module mit kleinerer Nennleistung haben kleinere Formfaktoren, da
sie kleinere Bauteile enthalten
- Module mit größerem Wirkungsgrad haben kleinere Formfaktoren, da
sie weniger Abwärme über ihre Oberfläche abgeben müssen.
Jetzt stehen auf einmal die Leute, die die Prioritäten bei der
Geräteentwicklung vorgeben, nämlich Design und Marketing, der
Elektronikentwicklung auf den Füssen, die Leistungsaufnahme zu
verringern, um ein kleineres und schickeres Gerätedesign zu erlauben.
Gleichzeitig entstünde durch die Normung auf wenige Formfaktoren ein
Markt mit hohem Wettbewerbsdruck, in dem sich technologische
Entwickluing auch auszahlen würde.
Um das ganze Durchzusetzen, wird auf jedes in der EU verkaufte
Elektrogerät eine Steuer in Höhe von 5 Euro erhoben, es sei denn, das
Gerät nutzt eins der genormten Versorgungsmodule.
In diesem Fall wird eine Steuer in Höhe der Stromkosten für ein Jahr
unter der Annahme des Betriebs von 4h täglich mit Vollast und 20h
Standby erhoben.
Damit ergibt sich folgende Rechnung:
Aufnahmeleistung Endgerät: 5W Volllast, 100mW Standby
Wirkungsgrad Versorgungsmodul: 70% Vollast, 20% Standby
Steuer:
a) Volllast 365 x 4h * 0.0050KW/0.70 * 0.20Eu/KWh= 2.09 Euro
b) Standby 365 x 20h * 0.0001KW/0.20 * 0.20Eu/KWh= 0.73 Euro
Durch eine Verringerung der Aufnahmeleistung des Endgeräts um 40% bei
und eine Erhöhung des Netzteilwirkungsgrades auf 85% ließe sich die
Vollaststeuer um ca. 1Euro veringern, eine Verdreifachung des
Netzteilwirkungsgrades von 20% auf 60% im Standby spart ca. weitere
50Cent.
Man beachte, dass diese Steuerersparnis für den Chefeinkäufer von
Tschibo gleichbedeutend ist mit einer Verringerung des
Fabriksabgabepreise in China um 1.50Euro - mit einem solchen
Mehrpreis sind die oben angeführten Wirkungsgrad- und
Leistungsaufnahmeverbesserungen locker zu erreichen.
Und der Kunde? Er zahlt im Endergebnis etwa 3 Euro mehr für das
Gerät, spart aber im Jahr gut einen Euro an Strom, hat also die
Mehrkosten nach drei Jahren wieder heraus - und die Steuereinnahmen
kommen ihm indirekt auch wieder zugute.
Der große Charme dieser Lösung liegt daran, daß der Kunde sich um
diese Einsparung beim Einkauf gar nicht kümmern muß, diese Sorge
nimmt ihm der Einkaufsleiter von Tschibo ab.
Das nenne ich Kundenservice!
In diesem Szenario gibt es im wesentlichen nur eine Gruppe von
Verlierern: Die Anbieter von Primärenergieträgern, also in erster
Linie die Ölscheichs und Väterchen Putin.
Ausserdem zahlt der Kunde drauf, der ein Elektro-Kleingerät kauft,
das kaum genutzt wird (z.B. Akkuladerät für Digitalkamera, sofern es
denn bei Nichtgebrauch vom Netz getrennt würde), sowie der Käufer von
unnützem Elektroschrott, der nach dreimaligem Gebrauch im Keller
vermodert.
Ich denke, damit könnten die Bürger der EU leben.